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~ Kapitel 3 ~

Noch immer war es hell, obwohl es eigentlich hätte zu dämmern beginnen müssen. Die junge Frau lief in Richtung Wald und dachte noch immer über seine Worte nach.

Nein. Es gibt nur weniger Reisende, die sich in den Seniawald trauen, wegen der Bestie, die hier lebt.

"Eine Bestie also. Nun gut, ich bin mutig, ich bin tapfer, mir wird nichts passieren. Ich bin staaaaark." sagte sie sich ängstlich. Sie wiederholte es immer wieder, während sie durch den Wald lief. Sie zitterte vor Angst und hoffte, dass sie bald aus dem Wald heraus käme. Während sie sich immer wieder versuchte mut zu machen, bemerkte sie nicht, dass sie vom eigentlichen Weg ab kam. Sie lief einfach weiter und hielt erst inne, als sie ein lautes knistern hinter sich hörte. Blitzschnell drehte sie sich um und sah sich um. Jedoch, war nichts zu sehen, was ihr in irgendeiner Form schaden könnte.

"D-das war bestimmt nur der Wind." versuchte sie sich einzureden, doch das knistern ertönte erneut. Diesmal schien es jedoch näher zu sein und erneut schaute sie sich um. Und wieder war nichts zu sehen. Shivell drehte sich um und ging einfach weiter, in der Hoffnung, dass das Geschöpf oder Ding, was auch immer dieses Geräusch verursachte, ihr nicht folgen würde.

Immer wieder ertönte ein lautes Knistern hinter der jungen Frau und es schien sie zu verfolgen. Es kam immer näher und wurde immer lauter. Die Frau ging so schnell wie es ihre Beine ihr erlaubten.

Wenn ich jetzt renne, springt es mich an. Es ist die Bestie. Ich weiß es. Ich hab so Angst. Mama… hilf mir doch." dachte sie, während sie völlig verängstigt weiter lief. Doch plötzlich geschah das, was geschehen musste. Sie stolperte über eine der vielen Wurzen, die den Weg überwiegend geprägt haben. Sie versuchte aufzustehen, doch ihr Körper war vom schnellen Laufen so geschwächt, dass sie sich kaum noch bewegen konnte, vor Erschöpfung und Angst. Kurz nach dem sie stolperte sprang etwas aus den Büschen und rannte geradewegs auf sie zu. Sie konnte nicht genau erkennen, was es war, da auch ihre Konzentration allmählich verloren ging. Sie hat mich.. Die Beste hat mich gefunden oder eher gefangen? Ich werde sterben? Ohne zu wissen, was mit meiner Familie ist Welch Ironie. dachte sie und fiel nach diesem letzten Gedanken in Ohnmacht.

Als sie ihre Augen öffnete, dachte sie zuerst, sie wäre Tod und im Himmel gelandet. Jedoch ließen die Schmerzen an ihrem Bein, diesen Gedanken sofort verblassen.

Ich lebe noch dachte sie und bemerkte, dass sie in einem riesigem Bett lag. Sie richtete sich auf und musterte in Ruhe den Raum. Er war nicht sonderlich groß, eher mittelmäßig. Auch Möbel schien es kaum in diesem Raum zu geben, bis auf das Bett, in dem sie lag, einen kleinen Nachtisch neben dem Bett und einem schmalen Kleiderschrank, dessen Tür nur angelehnt am Schrank stand.

Das Bett, in dem sie sich befand, war sehr weich und ließ vermuten, dass es ziemlich teuer sein musste, jedoch hatte sie sich für so was nie sonderlich interessiert. Das einzige, was sie in diesem Moment interessierte, war die Frage, wie sie überhaupt an diesen Ort gekommen ist. Irgendjemand musste sie gerettet habe. Vielleicht war es Josef, vielleicht aber auch ein Fremder. Als sie glaubte, dass jemand im Nebenraum war, legte sie sich schnell wieder hin und versuchte so zu tun, als wäre sie immer noch Ohnmächtig.

Als die Tür aufging, trat ein Mann in den Raum, zusammen mit einem wolfartigem Wesen. Sie versuchte ihre Augen so zu öffnen, dass man dennoch dachte, sie wären geschlossen. Doch es schien, als würde dieser Plan nicht funktionieren.

"Na, sind wir endlich aufgewacht, Prinzesschen?" fragte der Mann mit sanftmütiger Stimme und hockte sich vors Bett.

Er hatte ein recht gewöhnliches Gesicht, jedoch war das einzig ungewöhnliche die Narbe, die von der Stirn durch sein linkes Auge bis zum Nasenrücken zu gehen schien. Er hatte tiefblaue Augen recht kurze dunkelbraune Haare. Auf den ersten Blick, hätte man meinen können, dass er ein Bandit ist oder ähnliches, da diese Narbe darauf hinzuweisen schien.

"Ja.." sagte sie mit gebrochener Stimme. Es war ihr peinlich, dass sie ihm die ganze Zeit auf die Narbe starrte und bemühte sich woanders hinzuschauen.

"Dann ist gut. Ich und Fero haben dich im Wald gefunden. Du lagst dort bewusstlos an so ‘nem Baum. Sah echt lustig aus." sagte er mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht und stand auf.

"Los Fero, sag unserem Prinzesschen Hallo!" sprach er laut und kurz darauf, sprang das wolfartige Geschöpf aufs Bett und nahm ihren Geruch in sich auf.

"Iiiiiiiiiiiiik. Nimm es weg!!!" schrie sie vor Panik und setzte sich ruckartig auf.

Der Gesichtsausdruck des Mannes änderte sich schlagartig von freundlich auf wütend. "Komm runter Fero." sagte er mit ernster Stimme und sah sie verachtend an. Fero sprang vom Bett und seine dunklen Augen hatten etwas trauriges. Bedrückt, so schien es zumindest, ging das Wesen in den Nebenraum und legte sich auf eine dünne grüne Filsdecke.

"Du bist genau wie sie. Genauso verbohrt, spießig und blind." sagte er während er den Raum verließ. Die junge Frau saß aufrecht im Bett und dachte eine Weile über seine Worte nach.

Er kennt mich doch überhaupt nicht.. dachte sie und stand dann auf. Wie würde er denn reagieren, wenn etwas fremdes auf dich zugesprungen kommt. Er würde wohl darüber lachen. Sie ging in den Nebenraum und musterte das Geschöpf gründlich.

Es war eine Mischung aus einem Wolf und etwas anderem, unerkennbar, jedoch wirkte es friedlich, während es auf seiner Filsdecke lag. Es hatte ein weißes, sanftes und kuscheliges Fell und eine kleine rosa Nase. Nach dem sie Fero eine Weile anstarrte, sah sie sich im Rum um. Die Wände waren in einem giftigen Grün getaucht und auf dem Holzboden lag ein hellgrüner Teppich.

Er scheint Grün zu lieben. dachte sie mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Im Raum waren neben einem Karmin, vor dem die Decke lag, auf der sich Fero befand, auch vier Stühle und einen komischen alten Tisch. An der Wand hingen vereinzelte Tierköpfe und Äste.

Vorsichtig näherte die Frau sich dem Geschöpf. Dieses erhob seinen Kopf und schaute mit dunkelgrünen Augen zu der Person, die sich ihr näherte. Als sie nahe genug am Wesen war, hockte sie sich hin und hielt ihm eine Hand hin. Das wolfartige Geschöpf schnupperte zuerst, um ihren Duft zu identifizieren und stand dann auf.

Dich haben sie mit Bestie gemeint oder? dachte sie, während Fero auf sie zu lief. Vorsichtig nahm sie ihre Hand und streichelte über das Fell des Wesens.

Der Mann beobachtete die Frau dabei und war sichtlich überrascht darüber, dass Fero nicht scheu davon gelaufen ist. Seine Wut im Blick wandelte sich nun wieder zur Freundlichkeit um und er beobachtete Fero und die Frau noch etwas länger.

"Du bist aber ein Lieber." sagte sie, während sie ihn streichelte. "Es tut mir leid, dass ich zu beginn Angst vor dir hatte. Du bist so süß, vor dir braucht man ja gar keine Angst zu haben."

Das Geschöpf jaulte zufrieden und legte sich dann auf den Rücken. Sie begann seinen Bauch zu streicheln und merkte, dass die Bestie es zu mögen schien.

"Ich habe mich wohl geirrt." sagte der Mann und hockte sich neben die Frau. "Es tut mir leid."

Sie sah ihn an und lächelte zaghaft. "Es ist okay, mir tut es Leid. Ich bin es eben nicht gewohnt, wenn ich aufwache, dass mich ein Tief anspringt." sagte sie und in ihrer Stimme, war ein Hauch von Reue zu hören.

"Das hätte ich mir auch denken können." erwiderte er gelassen und begann nun ebenfalls den Bauch des Wesens zu streicheln.

"Weißt du, alle halten Fero für eine Bestie, ein Geschöpf der Hölle und was weiß ich, doch eigentlich ist er nur Fero." sagte er nach kurzen Schweigen.

"Ich habe von einer Bestie gehört." sagte sie, "Doch wenn ich mir vorstellen soll, dass dies die Bestie ist, frage ich mich, was ein Hund für sie dann ist." sagte sie freundlich und versuchte ihre eigene Angst, die sie zu beginn hatte, damit zu verstecken.

"Sie haben Angst vor ihm, weil er kein gewöhnliches Tier ist. Viele würden es nun Mutant, Bestie oder Monster nennen. Doch eigentlich ist er nur das Ergebnis der Natur. Ein Kind des Wolfes Ibrit und eines Löwen. Es mag absurd klingen, aber es ist nun einmal so. Fero mag vielleicht eine Mistgeburt sein, aber er ist das liebenswürdigste Tier, dass ich kenne." erklärte der Mann und es war ihm anzuhören, dass er Mitleid mit dem Tier hatte.

"Ich find’ ihn niedlich und so flauschig." sagte sie und begann zu lachen.

Welch ein wunderschönes Lachen.. dachte der Mann und sah die Frau an.

"Du bist nicht von hier, oder?" fragte er.

"Nein. Ich komme aus Nalia. Einer kleinen Insel, in der Stürme und Regen die Tage prägen." sagte sie leise.

Fero erhob seinen Kopf und drehte sich auf den Bauch. Dann stand er auf und lief zur Tür, wo er zu knurren begann. Der Mann stand auf und sah die Frau an.

"Entschuldige mich bitte." sagte er und ging zu Fero.

Sie sah ihm hinterher und merkte nur, wie er eine heftige und wütend wirkende Handbewegung machte. Sie wusste nicht, warum es geschah, aber irgendwie lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken, als sie das laute knirschende und überaus bedrohende Knurren von Fero hörte.

Die Bestie dachte sie und schüttelte kurze Zeit darauf den Kopf. Sie wusste, dass Fero liebenswürdig war und keine Bestie, dass er ein einfaches Tier ist und kein blutrünstiges Monster. Sie wusste einfach, dass Fero keine Bedrohung für irgendjemanden war. Also beschloss sie, Fero zu verteidigen, obwohl sie noch nicht recht wusste, wie.

Sie stand auf und ging zu dem Mann und dem Geschöpf. Jedoch zuckte sie zusammen, als sie sah, wen Fero überhaupt anknurrte. Es war Josef, der alte Mann, der sie für eine Nacht in seine Hütte aufnahm, der Mann, der diesen wunderschönen Garten errichtete und der bei ihrem Abschied äußerst traurig war, weil er nur selten Besuch bekam. Er war es, der Fero und seinem Herrchen bedrohte, so machte es zumindest den Anschein.

"Shivell, mein Kind. Was haben sie dir nur angetan." fragte der alte Mann, als er das Mädchen erblickte.

"Nichts." sage sie mit ruhiger und freundlicher Stimme. "Mir geht es gut, sie haben mir das Leben gerettet."

"Wie? Diese Bestie soll dir dein Leben gerettete haben?" fragte Josef mit abwertendem Ton und schaute Fero verachtend an.

"Ja. Und Fero ist keine Bestie. Er ist ein Tier, ein Geschöpf mit einem wunderbaren Herz." sagte sie wütend und verletzt.

Der Mann, dem Fero gehörte, schaute das Mädchen an und war sichtlich erstaunt über ihre Einstellung zu seinem Haustier. Er wusste nicht, warum sie etwas in Schutz nahm, was ihr vorher Angst einjagte, aber er war ihr dankbar dafür.

"Verlass auf der Stelle mein Grundstück, alter Mann." sagte er mit wütender Stimme und schloss die Tür. Es waren nur noch vereinzelte kleine Töne zuhören. Der alte Mann schien wohl zu fluchen oder ähnliches, jedoch tat es der jungen Frau leid, dass der alte Mann, solch ein Bild von Fero hatte.

"Du heißt also Shivell?" sagte der junge Mann und setzte sich auf einen Stuhl.

"Ja." nickte sie. "Und du bist?"

"Rhydon.." flüsterte er, während er mit einer Handbewegung Fero zu sich winkte.

"Rhydon ist ein durchaus passender Name für dich, glaube ich. Wofür steht er überhaupt?" wollte sie wissen.

"Für die Ruhe nach dem Sturm.. so nannte es zumindest meine Mutter, als ich sie kurz vor ihrem Tod fragte." sagte er kühl.

"Oh.. Das tut mir leid. " entgegnete sie ihm und setzte sich auf den Boden.

"Und wofür steht dein Name?" wollte er wissen, um sie nicht zu beunruhigen.

"Für die Blüte der Schönheit, meine Mutter benannte mich nach dem Sonnenkind der Insel Nalia.. Und das nur in der Hoffnung, ich wäre selbst eines. Du musst wissen, dass Sonnenkinder nur alle neunzehn Jahre geboren werden und da ich in einem solchen Jahr geboren wurde, hoffte meine Mutter darauf, dass ich auch eines sei. So gab sie mir den Namen, des ersten Sonnenkindes." erklärte sie. Ihr Blick deutete darauf hin, dass sie irgendetwas bedrückte.

"Und was sind diese Sonnenkinder? Was macht sie so besonders?" fragte Rhydon neugierig. Es schien, als wäre er ziemlich von dieser Geschichte angetan.

"Eigentlich sind sie Leute wie du und ich, jedoch stehen sie mit gewissen Punkten der Natur in Verbindung. Es gibt Erdenkinder, Waldkinder, Sturmkinder und Sonnenkinder. All diese gehören zur Glaubensrichtung der Bewohner von Nalia an. Sie glauben, dass solche Menschen übermenschliche Fähigkeiten besitzen, obwohl schon immer klar war, dass Sonnenkinder nur an Orten leben können, wo auch die Sonne scheint. Daher wäre es unwahrscheinlich auf Nalia überhaupt welche zu finden. Dennoch war das erste Sonnenkind, ein Kind der Insel Nalia und auch das einzige. Dabei heißt es, dass alle neunzehn Jahre, wie erwähnt, welche geboren werden. Ich wäre gern ein Sonnenkind, sie stehen für die Schönheit und für die Zeit.

Schönheit, weil sie damit Leute tatsächlich glücklicher machen können und weil sie diese auch beruhigen können. Und Zeit, weil man glaubt, dass Sonnenkinder die Zeit beeinflussen können.

Meiner Meinung, klingt das alles wunderschön und träumerisch, aber dennoch eher unrealistisch." antwortete sie und versuchte sich so kurz wie möglich zu halten.

"Das heißt, rein theoretisch sind nur Leute deiner Insel befugt, solch einen Luxus wie ein Sonnenkind oder so was zu sein?" fragte Rhydon während er einen Apfel aus der Tasche holte.

"Nein. Es soll in jedem Land auf dieser Welt solche Menschen geben, aber wer weiß, ob dies überhaupt stimmt. Ich glaube nicht einmal, dass es ein Luxus sondern eher eine Strafe ist, da dich dann jeder sehen will und jeder nervige Fragen stellen wird." sagte sie mit einem Hauch von Ironie in der Stimme.

"So wie bei Fero, meinst du das?" wollte er wissen.

"Ja. Dabei ist Fero so ein wunderbares Geschöpf." sagte sie mit einem Lächeln und stand auf. "Ach ja, danke für die Rettung vor der Bestie" sagte sie kichernd und ging in den Raum, in dem sie aufwachte.

~ Kapitel 4 ~

Er war wütend. So wütend wie noch nie zuvor in seinem Leben. All seine Versuchungen das Sonnenkind bei sich zu behalten schlugen fehl. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie ihn vielleicht nie wieder besuchte. Sie würde ihr versprechen brechen, doch dies würde sie tun, weil er sie verärgerte. Wie konnte er auch ahnen, dass sie diese Bestie in Schutz nehmen würde?

Er war wütend.

Langsam schritt er in seiner kleinen Hütte auf und ab, überlegte wie er sie zurückgewinnen könne und vor allem ihr vertrauen. Er musste sie haben, sie besitzen und dennoch wusste er, dass dies unmöglich war. Doch er wollte es nicht glauben. Also überlegte er sich, wie er es anstellen könnte, sich ihr wieder zu nähern.

Sie ist etwas besonderes. Ich muss sie zurückkriegen. dachte er.

Im Schatten seiner selbst überlegte der alte Mann, wie er auch das Vertrauen des jungen Mannes gewinnen könnte. Doch es schien aussichtslos zu sein. Es schien keinen Weg zu geben, es schien als wäre alles verloren.

Doch plötzlich kam ihm ein kleiner Gedanke, etwas unbedeutendes und dennoch das beste, was er je hätte tun können. Er musste zuerst die Bestie von ihnen trennen, die Schuld auf das Sonnenkind lenken und sie dann trösten. Der Plan war narrensicher, so schien es, doch wie er ihn umsetzen soll, wusste der Mann nicht.

"Shivell mein Kind. Bald wirst auch du verstehen, dass du nun mir gehörst." flüsterte er und löschte die letzten Kerzen, die an seinem Bett standen.

Als Rhydon der jungen Frau folgte, ahnte er noch nicht, was ihn erwartete. Sie war gerade dabei sich frische Kleidung anzuziehen, da vom Sturz im Wald ihre Sache ziemlich dreckig waren. Als Rhydon dies bemerkte, drehte er schnell um und verließ den Raum.

Diese Schönheit.. dachte er und schüttelte den Kopf. Er ging zur Haustür, wo Fero schon auf ihn wartete. Er öffnete sie und Fero verschwand im dunklen Wald. Für beide war dies Routine geworden. Während Rhydon sich um das Haus kümmerte, beschütze Fero den Wald. Jedoch wurde sein Beschützerinstinkt eher als gefährlich gewertet von Wanderern, Jägern oder anderen Passanten. Alles was Rhydon wusste war, dass ein Jäger, der von Fero aus dem Wald vertrieben wurde, behauptete, es würde eine blutrünstige Bestie im Seniawald sein Unwesen treiben. Somit wollte auch niemand mehr in den Wald.

Die Tür vom Raum, in dem Shivell sich umzog, öffnete sich und Shivell betrat den kleinen Wohnraum der Hütte. Sie trug nun ein dünnes, rotes Kleid, dass kurz unter ihren Knien endete. Unter dem Kleid trug sie eine schwarze Hose, weiße Sportschuhe und das erste mal, war zu erkennen, dass sie eine Kette trug. An der Kette war ein Anhänger in Form einer Sonne. Ihr Haar schien wie ein Schleier zu sein, der Rücken und Schultern verdeckte.

"Na. Fertig mit schön machen?" fragte er neckisch und sah wie sich Luft in ihre Wangen füllte.

"Ich bin immer schön. Haben wir uns verstanden?" sagte sie verspielt und lachte dann drauf los. Auch er musste lachen. Es schien, als sei dies das erste mal seit Jahren.

Rhydon wusste nicht warum es so war, aber er fühlte sich schon seit ihrer Begegnung im Wald wohl, seit er sie fand. Es war ein fremdes Gefühl für ihn, er wusste nicht, wie es ist, jemanden zu mögen, zu lieben, außer Fero. Ob es Liebe war, wusste er nicht, da ihm dieses Gefühl seit seiner Geburt fremd war. Warum auch immer, aber es ließ sich nicht ändern, bis zu jener Begegnung.

"Ja, ich hab’ verstanden Prinzesschen." sagte er und warf ihr einen Apfel zu.

"Woooohoow." sagte sie, während sie versuchte den Apfel zu fangen. Dies jedoch ging gründlich schief und der Apfel fiel mit voller Wucht auf den Boden.

"Na toll. Nun ist der schöne Apfel schrott." sagte Rhydon und ging auf Shivell zu.

"Jahaaaa. Alles deine Schuld." sagte sie und versuchte beleidigt zu wirken. Auch sie bekam ein komisches Gefühl bei ihm, als würde sie ihn schon ein lebenslang kennen. Sie mochte ihn, seit sie ihn kannte, auch wenn ihr erstes Gespräch ziemlich daneben ging.

"Es tut mir Leid, euer Hoheit." sagte er und reichte ihr einen neuen Apfel.

"Danke, Sklave." sagte sie und begann zu lachen.

Er sah sie an und musste eine Weile warten, bis es den Anschein machte, dass sie aufhörte zu lachen, doch als er gerade den Mund aufmachte um etwas zu sagen, verfiel sie erneut der freudigen Tätigkeit und lachte sich aus.

"Entschuldige." sagte sie und lächelte nun, nach dem sie hoffte, sie hätte sich im Griff.

"Schon okay. Sklave klingt echt lustig.. Aber ich bin nicht deiner kapiert?" sagte er ernst und zwang sich dazu, das Lächeln zu unterdrücken.

"Okay. Irgendwann aber doch, wenn ich als Sonnenkind die Welt erobert habe." sagte sie und begann erneut zu lachen.

Welch ironische Andeutung.. dachte er und ging zur Haustür, die er, als er sie erreichte, wieder öffnete. Fero schien seinen Rundgang beendet zu haben. Der Wolf schaute sein Herrchen an und legte den Kopf etwas schief. Er schien sein Herrchen noch nie so gesehen zu haben. So fröhlich und ausgelassen, wie seit dem Moment, als er auf Shivell traf. Fero schien ebenfalls sehr angetan von Shivell zu sein und jaulte freudig, als sie ihn erneut streichelte.

"Sag mal Rhydon? Wie komme ich auf den schnellsten Weg zur nächst größten Hafenstadt?" wollte sie wissen und ihr Blick schien betrübt zu sein.

"Du müsstest durch Cajeri um den Zollpunkt zwischen unseren Kontinenten und den Kontinenten Pyzia. Jedoch ist der Weg nach Cajeri nicht gerade leicht. Außerdem musst du wenn du in Pyzia bist durch das Land der Banditen und Räuber, Zynia. Von Zynia aus führt ein direkter Weg zu einer Hafenstadt, sie heißt Quista. Ein nettes Örtchen, aber allein wirst du die Reise nicht überleben. Von Quista müsste ein direkter Weg bis nach Nalia führen." sagte er und blieb ziemlich kalt, als er sah, dass ihr blick noch trauriger wurde.

"Gibt es auch einen anderen Weg?" wollte sie wissen.

"Nein. Leider nicht." sagte er:

"Gut." sagte sie entschlossen. "Dann erkläre mir den kompletten Weg haargenau. Damit ich weiß, wie ich endlich nach Hause komme."

"Du bist verrückt. Du bist eine Frau, die sich wahrscheinlich nicht einmal richtig wehren kann. Wie willst du den Weg allein schaffen?" wollte er wissen. In seiner Stimme lag ein Hauch von Ärger.

"Dann begleite mich, wenn du mir es nicht zutraust." sagte sie erneut mit fester und entschlossener Stimme.

"Wieso sollte ich? Nur weil du dein Leben riskieren willst, heißt das nicht, dass ich dies ebenfalls tun möchte." sagte er kühl.

"Dann erkläre mir den Weg und lass mich gehen." sagte sie.

"Gut." erwiderte er. "Zuerst musst du den Seniawald auf westlichen Weg verlassen. Vom Seniawald gehen zwei Weggabelungen aus, wenn du an einer großen hellen Lichtung kommst. Du musst den linken Weg einschlagen, der dich nach Etarnia führt. Etarnia wird als Stadt der Blüte bezeichnet, weil im Mitten der Stadt eine Große Blume steht. Aber egal. Von Etarnia aus gehst du weiter Richtung norden. Irgendwann gelangst du na Cajeri. Das Land ist riesig und viel zu gefährlich, aber ich werde dich nicht umstimmen, da es dein Leben ist." sagte er und holte tief Luft.

"Wenn du in Cajeri angekommen bist, wird die erste Stadt, die du durchwandern musst, Kalitan sein. Diese Stadt ist zwar eine Nobelstadt, nur für reiche Menschen und so, aber naja. Dort wirst du Kirsa suchen. Er ist der Bürgermeister dieser Stadt und er ist der einzige, der dir einen Schein ausstellen kann, mit dem du nach Pyzia kommst. Jedoch ist er nicht ganz einfach, er gibt nicht jedem, der ihn darum bittet, diesen Schein. Drum kannst du deine Reise auch eigentlich wieder aufgeben." er holte erneut tief Luft und ging zu einem kleinen Schrank, wo er eine Flasche Wasser rausholte. Er trank einen Schluck und fuhr dann fort.

"Du müsstest für ihn als Edelhure arbeiten müssen, um diesen Schein zu bekommen. Oder er wirft dich gleich in die Schlucht von Azenia. Wobei du von Azenia aus unterirdisch nach Pyzia gelangen könntest, bringt dir nur leider nicht viel, da es nur wenig Menschen gibt, die es lebend von dort aus nach Pyzia geschafft haben. Falls du jedoch den Schein kriegen solltest, musst du dich wenn du von Kalitan kommst, zum Zoll von Lira und Pyzia begeben.

Von Dort aus wirst du erst einmal eine Weile durch den Wald des Grauens gehen müssen. Der dich direkt nach Kantra bringt, die Hauptstadt in Zynia. Wenn du in Zynia bist, solltest du nicht erwähnen, dass du ein Sonnenkind bist, dass du aus Nalia stammst und dass du nicht weißt, wo du bist. Das würde dich umbringen. Sie würden dich wie eine Trophäe behalten wollen. Der einzige Weg zu entkommen, ist der Tod, der mit Flucht oder Selbstmord verbunden ist. Wenn du in Kantra alles überlebt hast, kannst von dort eine Straße nehmen, die dich genau nach Quista bringt." erneut holte er tief Luft und trank einen Schluck vom Wasser.

"Danke für die Information, ich glaube das wichtigste kann ich mir merken. Notfalls frage ich nach dem Weg." sagte sie.

"Du bist verrückt.." sagte er mit Enttäuschung und Mitgefühl in der Stimme.

"Ja und? Wenn selbst du mich Sonnenkind nennst, werde ich das schaffe. Schließlich sollen Sonnenkinder magische Kräfte haben." sagte sie.

"Ach ja? Die werden dir dann aber auch nicht mehr helfen." sagte er bedrohlich.

"ich schick dir ein Zauberblatt, wenn ich in Nalia bin." sagte sie lächeln und nahm ihn nicht einmal ernst.

"Du wirst es nie nach Nalia schaffen. Selbst ich kam nicht mal bis dahin." sagte er und drehte sich um.

"Wie? Bist du etwa auch aus Nalia?" fragte sie verwirrt.

"Ja. Ich wurde in Zynia versklavt, weil ich erwähnte, ein Kind des Sturms zu sein. Nicht das ich dich irgendwie hintergehen wollte, aber ich wusste nicht, ob ich dir glauben kann, als du meintest, du wärst ein Sonnenkind. Aber man erkennt es deutlicher, als ich geglaubt habe. Deine Augen strahlen solch eine Wärme aus. Ich habe mich, seit dem ich hier bin, noch nie so frei und vor allem wohl gefühlt." sagte er bedrückt.

"Warum, kommst du dann nicht mit. Zusammen würden wir es bestimmt schaffen." sagte sie mit tröstendem Klang in der Stimme.

"Du kannst es gern versuchen, doch ich habe die Hoffnung schon längst aufgegeben." sagte er und verließ die Hütte.

"Aber warum.. Weil du angst vor dem Kampf hast?" flüsterte sie und sah Fero mit bedrückten Blick an.

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